Die Motive für unseren Einsatz in Brasilien waren zweierlei: den Gläubigen dort zu helfen und von ihnen einiges zu lernen. Ob wir letztendlich eine Hilfe waren, müssen die Brasilianer selbst entscheiden; aber zumindest steht fest, dass wir eine Menge von ihnen gelernt haben, und zwar nicht nur die Sprache.
Wir wurden zunächst einmal sehr warmherzig und freundlich empfangen. Jeder, der uns zum ersten Mal sah, schüttelte uns die Hand und begrüßte uns mit dem im Lande üblichen „Bom dia – tudo bem?" (Guten Morgen/Tag – wie geht's?). Unsere zwei Kleinen, Joel und Elise, standen dabei besonders im Mittelpunkt. Joel, weil er blond und blauäugig ist – letzte Eigenschaft findet man selten bei einem Brasilianer – und Elise, weil sie für die dortigen Verhältnisse mit ihren sieben Monaten ziemlich wohlernährt aussah. Uns fiel schon nach kurzer Zeit auf, dass die Menschen in Brasilien ziemlich heiter sind, meistens gut gelaunt – zumindest nach außen hin – und sehr gastfreundlich.
Die Gastfreundlichkeit zeigte sich darin, dass wir während unserer sechs Wochen Aufenthalt bei acht Familien zum Essen eingeladen worden waren.Obwohl die meisten Familien im Vergleich zu uns Deutschen eher bescheiden leben, scheuten sie sich doch nicht uns „reiche Europäer" zu sich nach Hause einzuladen. Uns beeindruckte zudem sehr, dass die meisten Mitarbeiter in der Schule, obwohl sie anderweitig eine besser bezahlte Arbeitsstelle hätten bekommen können, sich dennoch für diese Tätigkeit mit den Kindern entschieden haben – aus Glaubengründen. Somit verdienen einige vielleicht nur ein Drittel von dem, worauf sie verzichtet haben.
Unsere Aufgaben waren verschieden. Gleich am ersten Arbeitstag nach unserer Ankunft begann Eugen den Rasen zu mähen. Es war auch schon höchste Zeit, da das Gras an manchen Stellen bereits auf Kopfhöhe angewachsen war. Diese Arbeit verrichtete er drei Tage lang und wiederholte sie drei Wochen später wieder. Das Gras wächst dort im Sommer rasant schnell, auf Grund der fast täglichen Regengüsse. Außer dem Rasenmähen leistete Eugen noch verschiedene Reparaturarbeiten im Schulgebäude oder auch am Spielplatz. Einige Zeit bevor wir ankamen, war eine Kommission des Sicherheits- und Gesundheitsministeriums in der Schule gewesen und hatte einige Dinge am Spielplatz und in der Küche bemängelt.
So mussten z.B. an einigen Stellen im Holzgerüst die bereits morsch geworden oder fehlenden Holzbalken ersetzt werden. Das Holz wurde gekauft und verwertet. In der Küche wurde unter anderem der miserable Zustand der Öfen und Herde kritisiert. Diese wurden dann von den Spendengeldern aus Deutschland gekauft, und nur kurze Zeit später, zur großen Freude der Köchin, in der Küche der Schule aufgestellt und angeschlossen. Neben diesen praktischen Tätigkeiten durfte Eugen auch einige geistliche Lektionen an die Grundschüler weiter geben. Meistens bestanden sie aus einem Bibeltext, der dann durch eine Kindergeschichte verdeutlicht wurde. Außerdem hatte er auch die Möglichkeiten in der Gemeinde zu predigen. Sowohl die Lektionen für die Kinder als auch die Predigten in der Gemeinde wurden jedes Mal von Bruder Peter Unruh übersetzt.
Juliana hatte weniger Gelegenheiten praktisch mitzuhelfen, weil unsere Kinder es kaum zuließen. Wenn Joel und Elise schliefen oder wenn sie beide gerade gut versorgt waren, versuchte Juliana etwas zu putzen, aufzuräumen oder den Lehrerinnen beim Basteln oder aufpassen zu helfen. Dabei hatte sie auch immer die Möglichkeit mit ihnen etwas ins Gespräch zu kommen.
Man darf aber auch nicht vergessen, dass sie auch den üblichen Hausfrauentätigkeiten nachging, wie Essen kochen, Wäsche waschen und bügeln.
Leider haben wir nur die ersten dreieinhalb Wochen des Schullebens mitbekommen, weil am 16. Dezember schon die Sommerferien begonnen haben. Die letzten zwei Wochen verliefen für uns etwas eintöniger, da sich außer Bruder Peter Unruh kaum noch jemand im Schulgebäude befand und wir somit selten mit Brasilianern in Kontakt waren. Hinzu kam noch, dass wir nacheinander alle krank wurden, so dass wir die letzten Tage kaum richtig genießen konnten.
Insgesamt war es jedoch ein schöner und segensreicher Einsatz, der eine Abwechslung zum Alltag war und uns in vielerlei Hinsicht bereichert hat. Wir sehen unseren Wohlstand mit ganz neuen Augen und haben wieder zu schätzen gelernt, wie gut wir es doch hier in Deutschland haben. Trotzdem wollen wir nicht vergessen wie es anderen Christen geht und bereit sein ihnen nach Möglichkeit zu helfen und für sie zu beten.
