FSJ in der Vorschule

Nun liegt es hinter mir, das halbe Jahr in Brasilien, worauf ich mich so sehr gefreut hatte. Ich kann mit dankbarem Herzen auf diese sechs Monate zurückschauen, die ich dort in dem so weit entfernten Dorf Quissisana in der Nähe von Curitiba verbringen durfte.

Als ich am 12.09.2006 dort ankam und die vielen kleinen Kinder sich um meinen Hals warfen, während sie alle auf mich einredeten, wusste ich gleich: Hier werde ich mich zu Hause fühlen. Auch die Lehrerinnen und Mitarbeiter der Kindertagesstätte begrüßten mich sehr freundlich und zeigten mir, dass ich herzlich willkommen bin. Natürlich war ich auch sehr froh, eine deutsche Mitarbeiterin, Betti Görzen da Silva, dort zu treffen. Zu ihr durfte ich dann immer mit meinen hundert kleinen Fragen und Problemen kommen. Jede einzelne Person, der ich dort begegnet bin, hat meine Zeit in Brasilien verschönert.

Die ersten Tage waren natürlich besonders aufregend und ereignisreich. Durch meine Unkenntnisse der Sprache, gab es oft Missverständnisse und viel zu lachen. Alle hatten sehr viel Geduld mit mir, selbst die Kinder halfen mir beim Lernen der portugiesischen Sprache. Immer wieder fragten sie mich, wo den meine „Bibel“ sei, denn so nannten sie mein Wörterbuch. Wenn ich es ihnen zeigte, dann lasen die älteren Kinder mir die Wörter vor und erklärten deren Bedeutung. Manchmal sangen sie mir auch Lieder vor. Zu ihrem Lieblingslied gehörte das brasilianische Geburtstagslied. Fast jeden Tag durfte ich dort meinen „Geburtstag“ feiern. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht und oft musste ich einfach über den Eifer der Kinder lachen.

Als ich dann ab der 3. Woche in der Küche einspringen sollte, weil eine Köchin krank wurde, dachte ich, dass das Lachen nun ein Ende hat. Als Bruder Peter Unruh mich am ersten Tag gefragt hatte, ob ich mal was kochen könnte, dachte ich es sei ein Scherz. Doch aus diesem Scherz wurde Ernst und ich wurde gefragt, ob ich der Köchin Gilmara, in der Küche helfen könnte. Obwohl mir am ersten Tag natürlich nicht alles auf Anhieb gelang, lernte ich aber unter Gilmaras Anleitung recht schnell das Kochen von Reis und Bohnen und probierte sogar selber neue Rezepte, wie z.B. „Wareniki“ aus. Die Arbeit mit Gilmara machte mir sehr großen Spaß. Wir verstanden uns sehr gut, hörten Musik beim Arbeiten, sangen, lachten und weinten zusammen, denn oft erzählte Gilmara mir Geschichten aus ihrer Vergangenheit. Ich musste oft staunen über diese Frau, denn ihre Lebensgeschichte ist sehr traurig, aber sie beklagte sich nie. Sie sang nur immer das Lied von Jesus Wiederkehr mit lauter Stimme. So verbrachte ich einen Monat in der Küche. Durch viel Fürbitte erholte sich die zweite Köchin bald und konnte wieder arbeiten.

Im November begannen dann die Vorbereitungen für das Weihnachtsprogramm. Auch hier gab es sehr viel zu tun. Die passenden Lieder mussten ausgesucht, die Kostüme vorbereitet und die Kinder beim Üben ruhig gehalten werden. Mit Gottes Hilfe und der guten Mitarbeit jedes Einzelnen verlief die Vorstellung sehr gut. Gleich danach begannen die Vorbereitungen für die „Formatura“, die Einschulung. Und dann kam auch schon der letzte Schultag und die Ferien begannen. In den Ferien besuchte ich andere Kindertagesstätten unter anderem, die Kindertagesstätte in Imbituva und Texeira-Soares.

Dort traf ich andere deutsche Freiwillige und verbrachte mit ihnen auch die Weihnachtsfeiertage. Über Silvester fuhr ich dann mit meiner brasilianischen Freundin und deren Familie an den Strand, wo sich diese ein kleines Haus gemietet hatten. So vergingen auch die Ferien unheimlich schnell und die Schulzeit startete wieder.

Die ersten Schultage nach den Ferien waren sehr anstrengend, denn es gab einige Kinder, die zum ersten Mal die Schule besuchten. Sie kannten die Regeln noch nicht und benahmen sich auch dem entsprechend. Sie wussten nicht, dass man sich abmelden muss, wenn man auf Toilette möchte, dass man bei Tisch nicht redet, dass man während dem Gottesdienst still sein muss, dass man andere Kinder nicht schlagen soll usw. Doch schon nach einigen Tagen lebten sie sich ein und alles lief wieder nach Plan.

Für mich schien die Zeit zu fliegen. Ich wusste, dass ich nur noch zwei weitere Monate bleiben durfte und wollte diese Zeit noch möglichst sinnvoll nutzen. Also versuchte ich überall mitzuhelfen. Dadurch verflog die Zeit natürlich umso schneller. Ende Februar gab es dann noch einpaar freie Tage, wo ich dann an einer Jugendfreizeit teilnahm. Ich lernte dort neue Spiele, neue Lieder und natürlich unzählige neue Freunde kennen. Nach der Freizeit wurde mir dann bewusst, dass ich nur noch zwei Wochen hier bleiben konnte. Diese zwei Wochen, nahm ich kaum noch wahr. Viele sagten ich wäre ruhiger und stiller in dieser Zeit geworden. Tatsächlich war ich sehr traurig wieder gehen zu müssen und dann kam auch der 11. 03.2007. Mein Abreisetermin! Ich bin Gott sehr dankbar für diese unvergesslichen 6 Monate in Brasilien. Er hat in diesem halben Jahr so viele meiner Gebete erhört, mir Wunder gezeigt. Ich habe so viele neue Freunde kennen gelernt, eine andere Kultur, ja sogar eine neue Sprache. Jetzt möchte ich euch noch danken, für diese Möglichkeit, in Brasilien sein zu können, für eure Unterstützung, und natürlich für eure Gebete.

(Ludmilla Siewert)